Gesamtdauer (1247 Kilometer)
44:01:55
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Expedition 2014

gestartet am 7. Juli 2014

Der Bündner Wasserbotschafter und Langstreckenschwimmer Ernst Bromeis ist zum zweiten Mal aufgebrochen, den Rhein zu durchschwimmen. Mit seiner «Expedition 2014» durch Europa wirbt Bromeis für den nachhaltigen Umgang mit dem Lebenselement Wasser und das Menschenrecht auf freien Zugang zu sauberem Wasser.

Das blaue Wunder - Rhein 2014

Persönliche Erklärung von Ernst Bromeis zum Start der Expedition 2014 am Lago di Dentro (Schweiz)

Nichts verbindet und verpflichtet uns Menschen mehr als das Wasser

Das Recht auf Zugang zu sauberem Wasser wurde am 28. Juli 2010 von der Volksversammlung der Vereinten Nationen als Menschenrecht anerkannt. Von einer Durchsetzung dieses Rechts sind wir weit entfernt.

Während ich diese Zeilen schreibe, kämpfen Milliarden von Menschen um das Recht auf Wasser. Es ist aber kein politischer Kampf um das Recht auf Wasser, sie kämpfen schlicht um ihr Überleben. Für viele endet der Kampf tödlich, weil sie verdursten oder auf Grund hygienischer Mängel sterben.

Meine Expedition im Rhein – von den Alpen durch Europas Zivilisation nach Norden – ist nicht einfach ein persönlicher Egotrip. Ich will nicht einfach erfahren, wie es ist, wochenlang im Wasser zu leben. Ich will vor allem dem Menschenrecht auf Wasser Gehör und Aufmerksamkeit verschaffen.

Solange bedeutende europäische Persönlichkeiten wie der ehemalige deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt1 die Menschenrechte und somit ethische Grundsätze für global nicht einforderungswürdig erklären oder ein bekannter Schweizer Glaziologe2 die Sicherstellung der Wasserversorgung in Krisengebieten als fraglich deklarieren gilt es, das Menschenrecht auf Wasser einzufordern und zu verteidigen.

Der freie Zugang zu sauberem Wasser muss global als Menschenrecht anerkannt werden. Es kann nicht sein, dass «das Glück, am richtigen Ort geboren zu sein» darüber entscheidet, ob ein Mensch aufgrund von Trinkwasserknappheit ums tägliche Überleben kämpfen oder im Überfluss leben kann. Wasser verbindet uns Menschen rund um den Globus – dies müssen wir anerkennen und das Recht auf Wasser für alle endlich durchsetzen.

Am Rhein kämpfen wir nicht mit dem Verdursten. Aber ein aktuelles Thema bei uns in Europa ist beispielsweise die Wasserprivatisierung, welche Besitz- und Machtverhältnisse verbindet. Nicht zuletzt deshalb forderte die Europäische Bürgerinitiative «Water for life», dass das Wasser in Europa nicht privatisiert werden darf.

Die Wasserprivatisierung ist nicht per se schlecht. Sie muss aber allen Menschen dienen und nicht allein den Aktionären und dem Profit einiger Weniger. Wasser dürfen wir nicht «starr» besitzen, es muss stetig «fliessen». Dies gilt sowohl für globale Wasserkonzerne, bei neuen Formen der Kolonialisierung wie dem «Water Grabbing» (jemandem das Wasser abgraben) als auch in der Diskussion um Restwassermengen mit Wasserkraftwerkbetreibern.

Wir müssen lernen, das Wasser so zu nutzen und zu verwalten, dass wir damit dem Leben dienen. Diese Maxime muss über allem stehen.

Ob sich die nächsten grossen Konflikte um das Thema Wasser drehen werden, ist strittig. Im Hinblick auf eine möglichst stabile politische Lage und eine stabile Entwicklung der Weltbevölkerung aber, müssen alle Menschen Zugang zu sauberem und erschwinglichem Trinkwasser zu akzeptablen hygienischen Bedingungen haben.

Der Zugang zu sauberem Trinkwasser senkt die Geburtsraten und stabilisiert die Weltbevölkerung, denn sicheres Wasser bedeutet sicheres Aufwachsen und Leben. Sollten wir dieses Ziel nicht erreichen, werden Menschen in einer ständig wachsenden Weltbevölkerung sich ihr Wasser – mit allen Mitteln – holen und so ihr Recht auf Leben einfordern.

Es ist nicht mein Anliegen, Angst zu schüren mit der Prophezeiung von zukünftigen Konflikten. Mein Anliegen ist es, dass wir, «die mit Wasser Gesegneten», uns für ein Recht auf Wasser für alle einsetzen und die Ungerechtigkeit in der globalen Wasserverteilung bekämpfen. Das Prinzip einer menschlichen Welt beruht auf einer globalisierten Wirtschaft und auch auf einem gerechten Wasserhaushalt als Basis für die Verwirklichung des Rechts auf Leben.

Ein bekanntes Patentrezept für Kampagnen lautet «Vereinfachen Sie und werden Sie laut, damit Sie gehört werden». Auch ich will gehört werden, aber die Expedition 2014 wird das Gegenteil sein: leise auf die komplexen Zusammenhänge hinweisend. Der Rhein und sein Wasser haben beim Durchfliessen der europäischen Metropolen keine laute Stimme. Doch wenn wir unsere Ohren bewusst dem Fluss zuwenden, können wir alles hören.

- Rheinquelle Lago di Dentro/Lukmanierpass, am 7. Juli 2014

 

 

ARD Fernsehsendung „Beckmann“ vom 2. Mai 2013 www.youtube.com/watch?v=hSDRFdNnJ2I
Felix Keller an der öffentlichen Podiumsdiskussion „Wassertage Samedan“ am 20. September 2013