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"Carte bleue" von Urs Wohler am 27. März UNO-Weltwasserwoche in Engiadina Bassa.

RTW 2012 Diary / Posted by Christian Gartmann / Thursday, 02. April 2015

3. UNO-Weltwasserwoche, Schlussbilanz «carte bleu» von Urs Wohler, Tourismusdirektor Engadin Scuol Samnaun Val Müstair, 27. März 2015

Die 3. UNO-Weltwasserwoche war der fragenden Erkenntnis gewidmet: «Nichts verbindet (und trennt?) uns mehr als das Wasser!»

Moritz Leuenberger sagte im Mediengespräch vor dem offiziellen Start in die
3. UNO-Weltwasserwoche dazu: «Auf ethische Fragen, und davon gibt es besonders viele, gibt es nie einfache Antworten. Nicht die effektiven Werte und Verhältnisse zählen, sondern die relativen Verhältnisse.» Und als Beispiel nannte er die Umsiedlung beim Marmorera-Stausee und jene beim Dreischluchten-Staudamm in China: 20 Familien hier, 5 Mio. Menschen dort.

Da wussten wir: Wir haben uns nichts Einfaches vorgenommen, mit dieser Woche. Aber es ist auch nicht der Stil von Ernst Bromeis, etwas Einfaches zu machen. Und unser Stil auch nicht. Darum nahmen wir uns für die Beleuchtung dieser Frage eine ganze Woche Zeit.

Jon Janett sagte im Gottesdienst am Sonntag, dem UNO-Weltwassertag, dass es eigentlich selbstverständlich sein sollte, dass alle Menschen genügend Trinkwasser haben. Weil aber ökonomische Interessen über den menschlichen stehen würden, brauche es die Auseinandersetzung mit dem Thema, und mit dem Wasser.

Da dachte ich an unser Verständnis von Nachhaltigkeit. Wir verstehen sie drei-dimensional: ökologisch, ökonomisch, sozial. Alle drei Achsen im Gleichgewicht. Und in unseren Darstellungen färben wir die gemeinsame Schnittfläche goldig an. Diesbezüglich nehme ich etwas mit, was Moritz Leuenberger auch noch sagte: «Nachhaltigkeit ist dann, wenn unterschiedliche Ziele vollständig erreicht werden und nicht, wenn ein Kompromiss resultiert.» Das nahm ich mit durch die Woche und das macht mir Mut für unsere weitere Arbeit: Das Resultat von dreidimensionaler Nachhaltigkeit ist gleichberechtigt stark und nicht durchschnittlich schwach. Die Farbe des dreidimensionalen Dreiecks ist goldig und nicht grau wie ein fauler Kompromiss.

Am Sonntag haben wir noch das Band durchschnitten, still und leise, trotz vielen Gästen auf «Plaz». Nächstes Jahr werden diesen Akt Trompetenklänge begleiten der Musikschüler, die den Gottesdienst umrahmt haben.

Am Montag war die UNO-Weltwasserwoche in der Bibliothek zu Gast. Aus «Blaues Gold» las Annetta Baumann vor.  Blaues Gold ist ein Märchen aus den Bündner Bergen und erzählt von der Bedeutung und dem Umgang mit den Naturressourcen als unsere wichtigste Lebensgrundlage und grössten Reichtum. Danke an Uorschla Rauch, welche die Verbindung zu den Kindern herstellte, die zahlreich erschienen.

Von der Bibliothek ging es dann direkt ins Bogn Engiadina, wo Thor Heyerdahl einmal mehr mit seinen Freunden vom heutigen Peru nach Polynesien flösste, wozu auch Hawaii und – passend zur nächsten Woche – die Osterinseln gehören. Den Hai und den kleinen Krebs auf dem Balsaholz behalten wir in Erinnerung, aber auch die Verbindung der Männer auf dem Floss unter sich, die durch den Wind und die Strömung geknüpfte Verbindung über’s Meer und die gerissene Verbindung zwischen Thor und seiner Frau.

Dienstag. GV Pro Büvetta. Der Fels drückt. Aber es gibt Hoffnung. Immer mehr Mitglieder, immer mehr Bewegung, auch den einen oder anderen Franken mehr. Werner Reichle hat beste Werbung gemacht für die Vereinigung, trotz grossen Herausforderungen. Und Köbi Gantenbein unterhielt uns gekonnt, witzig, dicht, mit direkter Verbindung zum Wasser – hinter den Staumauern; und dem Nichts vor den Staumauern.

«Was wäre, wenn? » So stieg Ernst Bromeis am Mittwoch Abend ein in das Blaue Wunder, vor 7, 8 Jahren und letztes Jahr in den Rhein. «Was wäre, wenn ich meinen Traum verwirklichen würde? Vom normalen Arbeiten, vom Seriösen zum blauen Wunder». Und damit kehrte er an seinen Ort der Kindheit und Jugend zurück. Er erzählte vom «Scheitern“ und gleich auch vom «gescheiter» werden, was doch so stark zusammen gehört.

 

Im blauen Schloss griff gestern Jörg Perron in die kalten Tasten und spielte Georg Friedrich Händels Wassermusik. Zuerst war es warm wie damals auf der Themse am 17. Juli 1717, es kühlte dann rasch ab auf Temperaturen wie am
7. Juli 2014 am Lago di dentro, wo Ernst in den Rhein stieg. Die überschäu­mende Prosa aus dem Buch «Von Zeit und Fluss» mit der Vorleserin und Übersetzerin Irma Wehrli machte nicht warm. Aber aufmerksam. So viele Bilder habe ich in Worten noch selten gehört. - Wenn ich Zeit habe, werde ich in die üppige und überschäumende Flut der 1‘200 Seiten einsteigen und mich – im goldbraunen, warmen und lieblichen Licht der Musse – davon tragen lassen!

«Watermark» der Kontrast. Schöne und beeindruckende Bilder. Aber harte Realität. Vor einem Jahr Kinostart in den deutschen Kinos, diese Woche bereits zu Gast an den UNO-Weltwasserwochen. Der preisgekrönte Dokumentarfilm, der 20 Wasser-Geschichten rund um die Welt verbindet.

Anja Klug haben Sie selber erlebt. Was vor über hundert Jahren unsere Auswanderergeschichte war, ist heute die Tragödie anderer. Sie geht weiter. Menschen, unterwegs über das Wasser, auch auf dem Wasser der UNO-Weltwasserwochen: «Wir wollen sie nicht! ». ‚Statistiken und Ankünfte pro Monat‘ haben seit heute Abend eine definitiv andere Bedeutung für mich als bisher. Migration wird zu Flucht. Warum macht man das? Bildung, Geld verdienen, Krieg, Verfolgung, Hoffnung.

«Es ist gut, wenn man sich für etwas einsetzt, das einem nicht direkt betrifft. » sagte Moritz Leuenberger. Das haben wir heute getan und jetzt betrifft es uns auch. Das ist unser Vorsprung gegenüber denen, die nicht dabei waren. Und Verpflichtung. -

Ich ziehe eine sehr positive Bilanz. Wir haben diese Woche investiert in die mittel- bis langfristigen Mehrwerte unserer Region und Destination. Wir sind eine Destination, die weiterhin und konsequent den Fokus setzt auf unsere unaustauschbaren Werte, um im Wettbewerb mit nationalen und auch internationalen Mit­be­werbern zu noch mehr Profil zu kommen und dadurch noch interessanter und noch begehrlicher zu werden. Die UNO-Weltwasser­wochen von und mit Ernst Bromeis gehören dazu.

Wie sagte ich schon letztes Jahr: Es braucht Mut, Pioniergeist, langfristige Ziele und Mittel, um eine Positionierung zu verankern und weiter zu entwickeln! Und mit der 3. UNO-Weltwasserwoche und dem Wasser sind wir damit auf dem richtigen Weg.

Herzlichen Dank, Frau Anja Klug, für diesen aufrüttelnden Schlusspunkt!

Und an Dich Ernst, sage ich mit den Worten von Moritz Leuenberger (Zitat): "Sie tun dies seit einigen Jahren mit einem Einsatz, den ich bewundere und für den ich Ihnen danke."

Grazia fich, Ernst, per tuot Tia lavur, l'organisaziun e per teis fich grond ingaschamaint, für's "dranne Blibe".

La terza eivna da l'aua es a fin, viva l'aua!

 

4. UNO-Weltwasserwoche : Rund um den UNO-Weltwassertag am 22. März 2016. Datum und Programm zu gegebener Zeit auf:

www.uno-weltwasserwoche.ch

Foto: Urs Wohler ©Dominik Täuber

Foto: Anja Klug UNHCR und Ernst Bromeis ©Jon Duschletta

 

 

 

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