Scroller

Eine Etappe für Klaus Pechstein (1941–2013) (10.08.2014)

RTW 2012 Diary / Posted by Christian Gartmann / Sunday, 10. August 2014

Der Höhepunkt der Sonntagsetappe kommt gleich zu Beginn: Schon nach 12 Kilometern erreicht Ernst das Städtchen Linz am Rhein. Hier wohnte zeitlebens Klaus Pechstein, der bisher einzige Mann, der den Rhein von Ilanz bis Hoek van Holland geschwommen ist.

Am Bootssteg wartet Pechsteins Tochter Christiane. Sie war gerade drei Monate alt, als Klaus Pechstein sich daran machte, seinen Traum zu verwirklichen. «Jetzt oder nie» hatte sich der junge Vater wohl gesagt, als er im September 1969 in der Surselva startete.

«Die Geschichte Ihres Vaters hat mich inspiriert, es nach dem Abbruch 2012 noch einmal zu versuchen», erzählt Ernst einer sichtlich gerührten Christiane Pechstein. «Er war aus dem Holz geschnitzt, aus dem Pioniere sind.» 2012 hatte er – noch bei guter Gesundheit – die Expedition von Ernst genau mitverfolgt. Dann, vor einem Jahr, verstarb Klaus Pechstein.

Seine Expedition 1969 erregte grosses Aufsehen: Zeitungen entlang der gesamten Strecke berichteten in Text und Bildern, Radioreportagen und Fernsehbeiträge machten ihn zum Idol. Selbst im damaligen Flaggschiff aller Sportsendungen, dem ZDF Sportstudio, war er zu Gast. Pechstein spielte das Spiel mit den Medien gekonnt: Für die Fotografen liess er sich im Wasser auch einmal mit einem Glas Bier oder eine Zigarette rauchend abbilden.

Pechstein hatte immer am Rhein gelebt. Schon als kleiner Junge schwamm er im Fluss, später liess er sich von Lastkähnen im Gummiboot einige Kilometer Richtung Koblenz schleppen und paddelte wieder hinunter nach Linz. Der gelernte Silberschmied hatte eine ausgeprägte, künstlerische Ader. In Schwäbisch Gmünd besuchte er die Kunstschule und lerne dort auch seine Frau Hildegard kennen. 1969 kam dann Tochter Christiane zur Welt.

«Mein Vater war immer voller Träume und Pläne» erzählt Christiane Pechstein. «Er wollte in einem Boot Norwegen umrunden, leider wurde daraus nichts.» Ein Zeitungsbericht, wonach er den Mississippi schwimmen wollte, bezeichnet sie allerdings als «Ente».

Was aber kaum jemand weiss: 1983, 14 Jahre nach seiner Pionierleistung, startete Klaus Pechstein ein zweites Mal, um den Rhein zu bezwingen. Er schaffte es bis zum Bingener Loch, vor der Bergstrecke zur Loreley. Wo er 1969 noch mit einem Schlauchboot als Begleitung schwimmen durfte, verlangten die Behörden nun eine zweite Begleitung. Die Kosten dafür konnte Pechstein sich nicht leisten. Enttäuscht musste er seinen zweiten Versuch abbrechen.

Als Andenken erhält Ernst von Christiane Pechstein ein Original-Aquarell von Klaus Pechstein. Das Treffen in Linz berührt nicht nur die Tochter Klaus Pechsteins: Auch Ernst verlässt den Ort nur ungern. «Wir sehen uns wieder», verspricht er beim Abschied. «Dann möchte ich mir in Ruhe alle Dokumente von 1969 anschauen.»

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